Gemeinde-&Vereinshaus Briesen (Mark)

Historische Daten zur Kirche von Briesen (Mark)


Zusammenfassung: R. Kramarczyk



Die alte Kirche zu Briesen 1679 -1830


Bereits 1460 hat Briesen nachweislich einen Pfarrer mit 2 Hufen (15,3 ha) Land.

Zu dieser Zeit gab es auch eine Kirche in Briesen, wahrscheinlich schon seit

über 200 Jahren. Das Dorf hatte insgesamt 24 Hufe (184 ha).

Ursprünglich wurde die Kirche als katholisches Gotteshaus erbaut. Erst ab 1539 wurde Brandenburg protestantisch und damit die Kirchen im Land. In den Jahren 1438 bis 1495 wird Briesen fast vollständig (Familien von Lossow und Strantz) an das Frankfurter Kloster verkauft und gehörte bis 1540 zum katholischen Karthäuserorden (1084 gegründet und

1396 in Frankfurt vor den Stadtmauern errichtet und nach der Reformation 1539/1540

zu Gunsten der Universität Frankfurt enteignet).

Ab dem Jahre 1540 wird Briesen Eigentum der Universität bis 1811,

danach Königliche Verwaltung. Um 1573 wird Briesen zur Tochterkirche von Jaobsdorf.


Die alte Kirche wird 1702 noch in gutem Zustand beschrieben.

Sie wurde 1679 erbaut. Auf dem Gelände stand zuvor eine ältere Kirche (1539 erwähnt).

Über die ältere Kirche ist derzeit nichts bekannt,

wird aber 1460 mit Land und 1624 mit 2 Kossäthen (Kleinbauern) erwähnt.

1702 hat die Kirche 3 Stücke Land mit 2 Hufen (wurden vermietet) und 1 Kossäthenhof.


Beim Abriß im Jahre 1830 wurden im Turm Münzen gefunden, die belegen,

dass der alte Kirchturm um 1713 umgestaltet oder neu gebaut wurde.

Die Kirchenuhr stammte wahrscheinlich aus dieser Zeit.

Die Kirche selbst war beim Abriß 151 Jahre alt.


Die älteste detaillierte Kirchenbeschreibung ist aus dem Jahr 1780,

als das Bauwerk bereits verfaulte Holzbalken und Holzstühle/Kirchenbänke aufwies.

Die Kirchendecke hing erheblich durch und drohte einzustürzen.

Die Kirche war ein Fachwerkbau, mit starker Baufälligkeit beschrieben

und 1780 wurde eine umfangreiche Sanierung geplant und durchgeführt.

Nördlich wurde ein Raum von 14 Fuß (4,39 meter) lang und 8 Fuß (2,51 meter) breit angebaut, die Zwischenwände durch Pfeiler ersetzt und die Decke stabilisiert.


Die alte Kirche war:

60 Fuß lang ( 18,83 meter), 28 Fuß breit (8,79 meter), 16 Fuß hoch (5,02 meter)


Der alte Kirchturm:

19 Fuß (5.96 meter) mal 18 Fuß (5,65 meter) breit, 42 Fuß innen hoch (13,18 meter)

mit

1 Helmstange (Spitze des Turmes)

1 Turmuhr (wahrscheinlich aus dem Jahre 1713)

2 Glocken:


1. Glocke, 65 cm Durchmesser aus dem Jahre um 1450/1465

Aufschrift: „ave maria – gracia – plena – dominus – tecvm – benedicta – tv in mvlierib(us)

(Katholische Aufschrift: “gegrüßt seiest du Maria, voll der Gnade. Der Herr sei mit dir, du bist gesegnet unter den Frauen“)

2. Glocke, 75 cm Durchmesser aus dem Jahre 1603 (seit 1942 verschollen)

Aufschrift: „ Martin Preger hat mich gegossen 1603




Nach historischen Aufzeichnungen ist 1702 kein Pfarrhaus vorhanden.

Es gibt jedoch ein Schulmeisterhaus in gutem Zustand mit „nur einem“ Garten.

An der Kirche befand sich bis nachweislich 1811 eine kleine Schulstube,

die erst nach 1811 durch einen Schulneubau überflüssig wurde.

Außerdem wird 1811 erwähnt, dass es eine Hirtenwohnung gab, die als Lehrerwohnung umgebaut und mit der Schulstube verbunden werden sollte.

Der Pfarrer hatte eigene Schafe und beschäftigte einen Hirten, vielleicht gemeinsam mit dem Dorfschulzen. Bezeugt ist, dass auch der Dorfschulze schon im Jahre 1460 eine Schafherde mit 75 Tieren besaß.

Der Briesener Kirchenacker bestand 1811 aus 33 Morgen und 80 Quadratruten (8,54 ha),

davon 4,33 ha Ackerland und 2,88 ha Wiesen.


Hinter der Kirche (Richtung Mühlenfließ) befand sich wahrscheinlich der Friedhof.


Trotz Sanierungen musste die alte Kirche im Frühjahr 1830 geschlossen werden.

Zimmermeister Chr. Gottlob wurde mit dem Abriß des Turmes (Glocken, Uhr und Kuppel) beauftragt. Die jüngsten Münzen aus dem Glockenturm waren aus dem Jahr 1713.


Prediger war 1838: Magister Raschig (Jacobsdorf)

Küster und Lehrer war: Friedrich Zeuschner (Briesen und Kersdorf)

Kersdorf hatte keine eigene Kirche, sondern mit Briesen eine Pfarrgemeinschaft

Briesen und Kersdorf bildeten eine Kirchengemeinde, waren aber unterschiedliche Dörfer.


1838 in Briesen:

Dorfschulze und Gerichtsschulze: Bauer Johann Gottfried Lehmpfuhl

Gerichtsmänn und Bauer: Johann Gottfried Kalisch

Gerichtsmann, Schulvorsteher und Bauer: Färbemeister Julius Frey

Gerichtsmann : Kossäth Gottlieb Barack

Schulvorsteher und Mühlenbesitzer: Bauer Klubsch

Büdner und Schmiedemeister: Müller


1838 in Kersdorf:

Dorfschulze und Gerichtsschulze: Kossäth George Schneider

Gerichtsmann: Kossäth: Karl Fritsch

Gerichtsmann: Kossäth: Carl Jänsch

Gerichtsmann: Kossäth: Johann Müller






Rückblick auf die Entwicklung und Bevölkerung von Briesen und Kersdorf:


In Briesen gab es 1666:

25 bewohnte Höfe, 1 Müller, 1 Kostknecht, 1 Hirte, 1 Schäfer, 1 Laufschmied,

2 Paar Hausleute, 1 Krug (bereits im Jahre 1438 erwähnt !)


In Briesen gab es 1734:

7 Bauern, 20 Kossäthen, 7 Büdner (Häusler), 6 Hausleute, 1 Müller, 1 Schmied,

3 Leinenweber, 2 Schneider, 1 Zimmermann, 1 Schäfer, 3 Hirten, 53 Frauen,

5 große Söhne, 9 große Töchter, 40 Söhne und 24 Töchter unter 10 Jahren, 10 Knechte,

9 Mägde, Nutzfläche waren 22 Hufen (168 ha)


In Briesen gab es 1818:

51 Feuerstellen (Wohngebäude) + 1 Feuerstelle und 1 Wassermühle


In Briesen gab es 1838:

1 Wassermühle (Mahl- und Schneidemühle) am Mühlenfließ Dorfmitte (Klubsch)

1 Zimmermeister (Gottlob)

1 Schmiedemeister (Müller)

1 Schlossermeister

1 Färber (Frey)

1 Glaser

4 Tischler

2 Stellmacher

3 Schuhmacher

1 Weber

1 Krüger (Gasthof) , 1 Schenker (Schankwirt)

2 Holzsäurefabrikanten

2 Victualienhändler (Lebensmittel)

9 männliche und 11 weibliche Dienstboten



in Kersdorf gab es 1460:

keinen Acker, 6 Fischer, 1 Krüger, 1 Schulze, 1 Kossäthenhof, 1 Müller


in Kersdorf gab es 1734:

17 Kossäthen, 11 Hausleute, 1 Müller, 1 Hirte, 33 Frauen, 18 große Söhne, 18 große Töchter, 29 Söhne und 20 Töchter unter 10 Jahren, 8 Knechte, 3 Mägde

(1745): 17 Fischer, 1 königl. Unterförster, 1 Wassermühle


in Kersdorf gab es 1818:

(Adliges Dorf) 24 Feuerstellen (Wohnhäuser) + 2 Feuerstellen, 1 Wassermühle,

1 Unterförsterei


in Kersdorf gab es 1838:

1 Wassermühle (Mahl- und Schneidemühle)

1 Krüger und Victualienhändler (Gasthof mit Lebensmittelhandel)

2 Schneider


(Anmerkung: Kossäthen waren Kleinbauern/Tagelöhner,

Büdner waren Häusler mit wenig oder ohne Land mit einem kleinen Haus/Hof,

Krüger waren Gastwirte mit Schankrecht, Schenker hatten Schankrecht, aber kein Gasthaus)



Die neue Kirche zu Briesen ab 1838


Im Jahre 1801 gab es in Briesen ein Großfeuer. Die Häuser auf dem heutigen Dorfanger brannten vollständig nieder. An anderer Stelle wurden die Häuser neu aufgebaut und der Anger blieb frei. Es war praktisch in Dorfmitte eine freie Baufläche entstanden.

Ein Kirchenneubau wurde 1836 beschlossen und auf dem neuen Dorfanger durchgeführt.

Am 30. September 1838 wurde die neue Kirche eingeweiht (zum Erntedankfest).

Es handelt sich um eine von Schinkel 1829 entwickelte „Normalkirche“ aus Backstein.

Die äußere Originalfarbe war ocker mit blaugrünen Holzfenster- und Türfarbe.

1865 wurde eine Orgel eingebaut. Im gleichen Jahr wurde die Kirche innen dem Zeitgeschmack angepasst. Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt und teilweise geplündert (alte Kirchenglocke seit 1942 verschollen). Um 1950 wurde die Kirche saniert und umgestaltet, 1995 wieder nach Originalfassung von 1838 saniert und gestaltet.



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